Landesverband Motorbootsport
Rheinland-Pfalz e.V.

 

Gemeinsames Seminar von LVM-RLP und HELM
am 12. November 2022 in Worms

Anne Hochreuther (Landesumweltbeauftragte LVM-RLP) freute sich, nach 3-jähriger pandemiebedingter Pause zahlreiche Teilnehmer der hessischen und rheinland-pfälzischen Vereine zum gemeinsamen Seminar der beiden Landesverbände begrüßen zu können.

Umweltseminar 2022 beim MYC Worms

Namentlich begrüßte sie Christel Lenarz (Präsidentin HELM), Gisbert König (Präsident LVM-RLP), Dr. Arno Grau (Landesumweltbeauftragter HELM) sowie die beiden Referenten Dr. Ulli Döhler (DMYV-Referat Umwelt, Raumordnung und Infrastruktur) und Peter Haag (Vizepräsident LVM-BW).

Auch der Vorsitzende des gastgebenden Vereins, Dr. Hans-Jürgen Krebs hieß die Teilnehmer des Seminars im Namen des Motor-Yacht-Clubs Worms e.V. herzlich willkommen.

Gisbert König berichtete in seiner Funktion als 1. Vizepräsident des DMYV über Veränderungen bzw. Neuerungen beim DMYV. So wurden z.B. der neue Messestand auf der Interboot in Friedrichshafen eingeweiht, die Geschäftsstelle in Duisburg saniert und die Homepage überarbeitet. Eine DMYV-App, die mit Bezahlfunktionen belegt werden soll, ist zurzeit in Arbeit. Geplant ist der Einsatz der App 2023.

Die Umstrukturierung des Verbandes mit der Verlagerung wichtiger Kompetenzen vom Ehrenamt zum Hauptamt ist in vollem Gange. Künftig soll das Hauptamt die Konstante im Dachverband darstellen, um so einem Verlust von wichtigen Kompetenzen bei einem Wechsel im Ehrenamt (z.B. bei Wahlen) vorzubeugen. Hinzu kommt, dass in vielen Bereichen zunehmend mehr „juristische Kompetenz“ notwendig ist, was im Ehrenamt im geforderten Umfang nicht leistbar ist.

Aufgrund eines Präsidiumsbeschlusses wird die bisherige Leistungstabelle für Vereine abgeschafft und durch neue Fördermöglichkeiten für Maßnahmen und Projekte der Vereine ersetzt. Das DMYV-Präsidiumsmitglied Uwe Gerlach ist in diesem Bereich Ansprechpartner.

Christel Lenarz berichtete in ihrem Grußwort über den aktuellen Stand des Projektes „LiLaLiving Lahn“. Bei einem kürzlich stattgefundenen Treffen der Arbeitsgruppe Lahn im WSA Koblenz wurde insbesondere das „Problem Personalmangel“ thematisiert, vor allen Dingen in den Bereichen Schleusenbetrieb, Beseitigung von Untiefen und Uferpflege.

Ein weiterer Gesprächsinhalt war auch die Verleihpraxis von Stand-UP-Paddling-Boards (SUP) und Booten an der Lahn, die es ohne Sicherheitshinweise bzw. ohne Einweisung zu leihen gibt. Immer wieder kommt es durch die Nutzer zu gefährlichen Situationen im Schleusenbereich, mit der Fahrgastschifffahrt oder bei der Befestigung der Boote am Anlegeplatz.

Die gute Nachricht des Treffens war die Ankündigung des Baus von 6 neuen Wehranlagen. Allerdings ist der Realisierungszeitpunkt noch offen.

Umweltseminar 2022 beim MYC Worms

Technik-Experte Peter Haag stellte in seinem ersten Vortrag verschiedene alternative Antriebe und deren Aufbau vor. In Bezug auf Urlaubstauglichkeit und Reichweite sind Hybridboote im Vorteil gegenüber Elektrobooten. Hinsichtlich der Batterietechnik gab Peter Haag einen Überblick über Energie und Packaging, Lebensdauer, Ladestrategie und auch die Gefahren der Technik. LIO-Batterien sind brennbar und nur schwer zu löschen und brennende Fahrzeuge müssen unter Wasser gesetzt werden. Bei einem Brand entstehen Flusssäure und Flusssäuregas. Letzteres führt zu starker Verätzung der Lunge. Nur wenige Atemzüge sind tödlich!

Umweltseminar 2022 beim MYC Worms

Im anschließenden Vortrag über „zukünftige Bootsantriebe“ stellte Dr. Döhler den Energieverbrauch und die Stromerzeugung in Deutschland sowie künftige Energiepotentiale und Verbräuche dar. Laut einer Berechnung der „Wirtschaftswoche“ werden z.B. im Bereich der Elektromobilität für 45 Millionen E-Autos (nur PKW) bei einer durchschnittlichen km-Leistung von 13800 km/Auto/Jahr ca. 17 % mehr Strom als 2018 benötigt.

Bei einem Verbrauchs-Vergleich zwischen Diesel- und E-Motor bei PKW und Boot kommt im Bereich der Bootsantriebe die Rumpfgeschwindigkeit und der Reibungswiderstand zum Tragen. Deutliche Unterschiede gibt es bei der Reichweite der Boote.

Vergleich Reichweite:
Diesel-Motor (100l-Tank, Verbrauch 3 l/h, Geschwindigkeit 12 km/h) = 400 km
E-Motor (Lipo-Batterie 70 kWh, Verbrauch 8kW/h, Geschwindigkeit 12km/h) = 105 km

Es folgte eine Übersicht der verschiedenen Herstellungsprozesse alternativer Kraftstoffe Gas To Liquid (GTL), Power To Gas (PTG) und Power To Liquid (PTL).

Fazit: E-Fuels können einen Lösungsansatz für künftige Mobilität insbesondere im Bereich der Luft- und Schifffahrt darstellen, da bestehende Flotten weiterverwendet und bestehende Infrastruktur weiter genutzt werden können. Der Klimaschutz kann im Bestand wirken, E-Fuels lassen sich flexibel speichern und transportieren, bieten hohe Versorgungssicherheit und lassen sich bei entsprechender Produktion mittelfristig für rund 1,00 €/l herstellen. Die Verringerung von Schadstoffen und Treibhausgasen bei Verbrennungsmotoren durch alternative Kraftstoffe war Inhalt des 2. Vortrags von Peter Haag. Er stellte ein Anwendungsbeispiel bei Bootsmotoren vor. Durch den Einbau einer Verbrauchsmessanlage im eigenen Sportboot soll durch vergleichende Messungen bei einem mit konventionellem Dieselkraftstoff betriebenen Motor und einem mit alternativem Kraftstoff betriebenen Motor festgestellt werden, welche Kraftstoffe Verbrauchsvorteile bringen könnten. Weitere Prüfungen befassen sich mit dem Rauchverhalten, der Laufruhe, der Verschmutzung des Schmieröls und der inneren Sauberkeit der Motoren.

Folgende alternative Kraftstoffe werden angewendet: GTL (Gas to Liquid), BTL (Biomass to Liquid z.B. C.A.R.E.-Diesel), PTG (Power to Gas) und PTL (Power to Liquid E-Fuels).

Die Präsentationen von Peter Haag und Dr. Ulli Döhler sind sowohl auf der DMYV-Hompage/Umwelt, als auch am Ende des Berichts verfügbar.

Im Anschluss an die Fachvorträge berichtete Anne Hochreuther von Veränderungen bei der Deutschen Gesellschaft für Umwelterziehung (DGU). Nachdem Frau Gülker und Familie Wahnschaff in den Ruhestand gingen, wurde die Geschäftsstelle der DGU nach Erfurt verlegt. Leiter ist Robert Lorenz, für die deutschlandweite Koordination Blaue Flagge ist seit 1. November Tobias Wanierke zuständig.

Die Landesumweltbeauftragte stellte ein mit der DGU abgestimmtes Beispiel für einen Umweltplan vor. Dieser kann von den Vereinen übernommen und auch auf die jeweiligen Verhältnisse abgeändert werden. Ein Anhang beinhaltet Maßnahmenbeispiele bzw. Ideen für Veränderungen.

Umweltplan und Maßnahmenbeispiele sind auf der Homepage des LVM-RLP als PDF verfügbar.

In seinem Schlusswort dankte der Landesumweltbeauftragte des HELM, Dr. Arno Grau für die Organisation und dem gastgebenden Verein für die Ausrichtung der Veranstaltung.


Downloads der Präsentationen:

Umweltseminar 2022 beim MYC Worms / Alternative Antriebe Alternative Antriebe
Peter Haag

Umweltseminar 2022 beim MYC Worms / Zukünftige Bootsantriebe Zukünftige Bootsantriebe
Dr.-Ing. Hans-Ullrich Döhler

Umweltseminar 2022 beim MYC Worms / Alternative Antriebe Verringerung von Schadstoffen und
Treibhausgasen bei Verbrennungsmotoren
Peter Haag